Skip to main content

Mein «Wing­man» beim Tages­An­zei­ger, Tobi­as Mül­ler, inter­view­te mich zu Beginn des Jah­res zum The­ma Abneh­men. Mit etwass Ver­spä­tung wur­de es in einem The­men-Spe­cial ver­öf­fent­licht. Hier geht es für ein­mal nicht um rei­ne Per­for­mance, son­dern v.a. um nach­hal­ti­ge Gesund­heit. Ent­spre­chend span­nend waren die zahl­rei­chen Kom­men­ta­re unter dem Arti­kel. Das The­ma… wühlt auf
Oder soll­te ich sagen: bewegt? Hier der voll­stän­di­ge Text (© tages​an​zei​ger​.ch 08-04-2026)

Zehn Kilo abneh­men, mehr Sport trei­ben, fit­ter und gesün­der sein! Die ers­ten Mona­te des Jah­res sind vor­bei und die Neu­jahrs­vor­sät­ze womög­lich schon längst wie­der ver­ges­sen. War­um fällt es vie­len Men­schen schwer, lang­fris­tig Gewicht zu ver­lie­ren, obwohl sie sich bewe­gen und auf die Ernäh­rung achten?
Sport­er­näh­rungs­exper­te Dani Hof­stet­ter hat eine kla­re Ant­wort dar­auf: wegen der Evo­lu­ti­on. Der mensch­li­che Kör­per habe kein Inter­es­se dar­an, dünn und ästhe­tisch zu sein, da der Über­le­bens­wil­le stär­ker sei. Aber wie gelingt es den­noch, über­schüs­si­ge Kilos los­zu­wer­den? Für Hof­stet­ter ist klar: Allein mit Sport wird das schwierig.

Dani Hof­stet­ter, vie­le über­ge­wich­ti­ge Men­schen wol­len mit­hil­fe von Sport abneh­men. Wel­che Feh­ler machen sie am häufigsten?

Ich beob­ach­te oft zwei Arten von fal­schen Her­an­ge­hens­wei­sen, die vie­le Men­schen machen: Die einen über­schät­zen die Ener­gie, die sie beim Sport ver­bren­nen, und unter­schät­zen gleich­zei­tig die Kalo­rien­men­ge, die sie zu sich neh­men. Sie stel­len ihren Lebens­stil um, sind zuver­sicht­lich, dass nun alles bes­ser wird – und sehen den­noch kei­ne Resul­ta­te. Der zwei­te häu­fi­ge Feh­ler ist, dass gewis­se Men­schen die Diät zu moti­viert ange­hen. Sie wol­len schnel­le Resul­ta­te sehen und essen dar­um viel zu wenig. Dann fehlt ihnen aber die Ener­gie für das Trai­ning, und somit tor­pe­die­ren sie sämt­li­che Fort­schrit­te. Sie wer­den krank, im schlimms­ten Fall ver­let­zen sie sich, ver­lie­ren die Moti­va­ti­on und fal­len rasch in alte Mus­ter zurück.

Bewe­ge dich und iss weni­ger. Klingt leicht – war­um ist es das am Ende doch nicht?

Weil der Kör­per nicht Gewicht ver­lie­ren will, eine Diät ist ein Kampf gegen die Evo­lu­ti­on. Der Mensch will kein Six­pack haben, er möch­te über­le­ben. Noch vor nicht all­zu lan­ger Zeit war es nichts Schlech­tes, wenn wir einen Ener­gie­über­schuss hat­ten und uns nicht zu viel bewe­gen muss­ten. Das bedeu­te­te, dass es uns gut geht, dass wir auch die kom­men­den kal­ten Win­ter­mo­na­te über­ste­hen wer­den. Nun leben wir heu­te aber in einer Welt des Über­schus­ses und der Bequem­lich­keit. Das führt zu einer Epi­de­mie des Übergewichts.

Und den­noch soll­te es irgend­wie mög­lich sein, Gewicht zu ver­lie­ren, wenn jemand zu viel auf den Rip­pen hat.

Natür­lich, aber es ist nicht so ein­fach, und es geht nur mit kon­ti­nu­ier­li­cher Arbeit. Dabei ist ent­schei­dend, zu sagen, dass Sport allein nicht geeig­net ist, um Gewicht zu verlieren.

War­um?

Bei kom­plet­ter Ruhe, also wenn Sie den gan­zen Tag nur im Bett rum­lie­gen, ver­braucht der Kör­per cir­ca 1 Kalo­rie pro Kilo­gramm Kör­per­ge­wicht pro Stun­de, was bei einem 75 Kilo­gramm schwe­ren Mann 1800 Kalo­rien sind – der soge­nann­te Grund­um­satz. Wenn sie die­se Anzahl an Kalo­rien mit Sport ver­bren­nen wol­len, müss­ten sie jeden Tag mehr als 20 Kilo­me­ter jog­gen oder meh­re­re Stun­den auf dem Velo hocken. Sport ist also im Ver­gleich zu unse­rem Stoff­wech­sel ein klei­ner Ener­gie­auf­wand. Und die meis­ten haben gar nicht die Zeit oder die Lust, um so inten­siv zu trai­nie­ren. Kommt hin­zu, dass Bewe­gung den Appe­tit ankur­belt, was dazu führt, dass wir nach einem Trai­ning ins­ge­samt mehr essen und somit den Bewe­gungs­ef­fekt kom­pen­sie­ren. Dar­um reicht Sport allein nicht, die Ernäh­rung muss auch passen.

Sie betreu­en als Ernäh­rungs­exper­te Sport­le­rin­nen und Sport­ler jeg­li­chen Alters und aus ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen. Wie gehen Sie also kon­kret vor, wenn eine Ath­le­tin fünf Kilo­gramm abneh­men möchte?

Als Ers­tes defi­nie­ren wir die Aus­gangs­la­ge: Wie schwer ist die Ath­le­tin, dazu bestim­men wir im Labor die Kör­per­zu­sam­men­set­zung, also das Kör­per­fett sowie die Mus­kel­mas­se. Mei­ne Grund­re­gel lau­tet: Je höher der Kör­per­fett­an­teil, des­to höher kann auch das täg­li­che Kalo­rien­de­fi­zit sein, ohne dabei den Orga­nis­mus zu radi­kal aus­zu­he­beln und die Gesund­heit sowie sport­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit zu gefähr­den. Danach schaue ich mir ihr Trai­ning an und stim­me die Ernäh­rung gezielt dar­auf ab.

Kalo­rien­de­fi­zit bedeu­tet unwei­ger­lich Kalo­rien zäh­len. Muss man also, um ein gesun­des Gewicht zu errei­chen, stän­dig sein Essen abwägen?

Nein, auf kei­nen Fall, denn das kann lang­fris­tig zu einem gestör­ten Ess­ver­hal­ten füh­ren. Aber gera­de in der Anfangs­pha­se einer Diät ist es nötig, dass die Ath­le­tin wie­der ein Gefühl dafür bekommt, wie viel sie wirk­lich isst und ver­brennt. Sobald die­ses Gefühl geschult ist, geht es auch ohne Küchenwaage.

Wie weiss ich, wie vie­le Kalo­rien ich inklu­si­ve Sport ver­bren­ne und wie viel ich wie­der zu mir neh­men soll?

Exak­te Mes­sun­gen sind nur im Labor mög­lich. Auf eige­ne Faust kann man sich unge­fähr mit­tels Kalo­rien­rech­ner ori­en­tie­ren. Anga­ben von Sport­uh­ren oder Arm­bän­dern wei­sen meist gros­se Abwei­chun­gen auf. Ein Sport- oder Ernäh­rungs­wis­sen­schaft­ler kann hier am ehes­ten weiterhelfen.

Wie vie­le Kalo­rien kann man täg­lich einsparen?

Das kommt auf die Per­son und den Trai­nings­um­fang an. Zwi­schen 400 und 600 Kalo­rien kön­nen die meis­ten Men­schen für eine gewis­se Zeit ein­spa­ren, ohne dass es zu Pro­ble­men kommt. Dafür soll­ten ein paar Punk­te befolgt werden.

Wel­che?

Ers­tens, rund um das Trai­ning, sei es eine 10-Kilo­me­ter-Jog­ging­run­de oder eine Stun­de im Fit­ness­stu­dio, soll­te man sich gut und aus­rei­chend ver­pfle­gen. Das för­dert die Trai­nings­qua­li­tät und ver­hin­dert, dass danach der Heiss­hun­ger zuschlägt. Zwei­tens soll­te die Eiweiss­men­ge wäh­rend einer Diät erhöht wer­den. Denn: Wir wol­len Fett ver­lie­ren, kei­ne Mus­keln. Für den Kör­per sind Mus­keln wäh­rend einer Diät jedoch ein Luxus, auf den er gut ver­zich­ten kann. Mit einer erhöh­ten Eiweiss­zu­fuhr kann man einem Mus­kel­ver­lust ent­ge­gen­wir­ken. Und drit­tens: Kei­ne Angst vor Koh­len­hy­dra­ten, sie sind für Sport­le­rin­nen und Sport­ler auch wäh­rend einer Diät ent­schei­den­de Energielieferanten.

Dabei wur­den Low Carb oder die keto­ge­ne Diät, bei der Pas­ta, Reis und Zucker gemie­den wer­den, lan­ge als effi­zi­en­te Schlank­ma­cher­me­tho­den angepriesen.

Koh­len­hy­dra­te sind das Super­ben­zin, sie sor­gen für eine gute Ener­gie­ver­sor­gung, sodass wir mit hoher Qua­li­tät trai­nie­ren und uns schnel­ler erho­len kön­nen. Sie sind unab­ding­bar. Fet­te hin­ge­gen, also Öle, Sau­cen und die meis­ten Des­serts, sind sehr ener­gie­dicht und brin­gen in einer Diät den gröss­ten Spar­ef­fekt, wenn sie gemie­den werden.

Sons­ti­ge Tipps zum The­ma Ernährung?

Ein paar ein­fa­che Grund­re­geln: Ver­bo­te gibt es kei­ne, auch Scho­ko­la­de und ein Glas Wein lie­gen ab und zu drin. Extre­me füh­ren dazu, dass wir schnell die Moti­va­ti­on ver­lie­ren und in alte Mus­ter fal­len. Dane­ben pre­di­ge ich, Lebens­mit­tel zu sich zu neh­men, die so unver­ar­bei­tet wie mög­lich sind. Lie­ber Kar­tof­feln und Reis als Pas­ta oder weis­ses Brot, lie­ber Nüs­se oder Früch­te als künst­li­che Des­serts. Die­se schme­cken zwar gut, ent­hal­ten aber viel Unge­sun­des und wenig Vit­ami­ne sowie Nahrungsfasern.

Was esse ich, wenn ich eine lan­ge Velo­tour oder eine Wan­de­rung mache?

Wich­tig ist, sich wäh­rend die­ser Akti­vi­tä­ten aus­rei­chend zu ver­pfle­gen, auch wenn man Gewicht ver­lie­ren möch­te, da man so Heiss­hun­ger­at­ta­cken vor­beugt. Koh­len­hy­dra­te sind dabei die effi­zi­en­tes­ten Ener­gie­lie­fe­ran­ten. Bei hoch­in­ten­si­ven Trai­nings ist rei­ner Zucker in Form von Sport­ge­trän­ken oder Gels sinn­voll. Auf einer Wan­de­rung oder gemüt­li­chen Velo­tour emp­feh­le ich nor­ma­le Lebens­mit­tel wie Sand­wichs, aber auch Biber­li oder Rie­gel funk­tio­nie­ren gut.

Ist Aus­dau­er­sport effi­zi­en­ter als Kraft­trai­ning, um abzunehmen?

Die Kom­bi­na­ti­on ist am sinn­volls­ten, wobei ich Men­schen über 40 Jah­ren das Kraft­trai­ning sehr ans Herz lege, da ab die­sem Alter der Mus­kel­ver­lust vor­an­schrei­tet, was im hohen Alter zu etli­chen Pro­ble­men führt. Aber natür­lich ist es so, dass man mit Aus­dau­er­sport mehr Kalo­rien pro Stun­de verbrennt.

Bes­ser kurz und inten­siv trai­nie­ren oder lang und lang­sam, damit das Fett schmilzt?

Kürz­lich wur­de eine Stu­die ver­öf­fent­licht, wobei die bes­te Trai­nings­art und ‑inten­si­tät für maxi­ma­le Erfol­ge beleuch­tet wur­de: 12 Wochen lang muss­ten Ath­le­ten jeden zwei­ten Tag für 45 Minu­ten ans abso­lu­te Maxi­mum gehen, an den Tagen dazwi­schen absol­vier­ten sie ein lan­ges, inten­si­ves Inter­vall­trai­ning. Klingt gross­ar­tig, oder? (er lacht) Nicht mal die moti­vier­tes­te Sport­le­rin der Welt könn­te die­ses Pro­gramm lang­fris­tig durch­zie­hen, doch genau das ist ja der Schlüs­sel zu Fit­ness und einem gesun­den Gewicht: Kon­ti­nui­tät. Dar­um emp­feh­le ich einen Mix aus sport­li­chen Akti­vi­tä­ten, die einem Spass machen. Wenn Sie gern wan­dern, dann wan­dern Sie. Wenn Sie lie­ber auf dem Velo sit­zen, super. Min­des­tens 30 Minu­ten Sport am Stück sind ein guter Anfang, und das mehr­mals pro Woche. Trai­nie­ren Sie meist bei nied­ri­ge­rer Inten­si­tät, aber jagen Sie auch ab und zu den Puls hoch, so bleibt das Trai­ning abwechs­lungs­reich und effektiv.

Kann Nücht­ern­trai­ning, also Sport ohne vor­her etwas zu essen, hel­fen, die Diät zu beschleunigen?

Wer am Mor­gen direkt nach dem Auf­ste­hen jog­gen will oder muss, weil er danach kei­ne Zeit mehr hat, der kann das gern tun. Nur soll­te man dabei beach­ten, dass Nücht­ern­trai­ning ein zusätz­li­cher Stress für den Kör­per ist. Dazu ist die Gefahr von Heiss­hun­ger danach gross. Am Ende ist es die nega­ti­ve Kalo­rien­bi­lanz über den gan­zen Tag gese­hen, die ent­schei­dend ist. Ob jemand dafür Nücht­ern­trai­ning macht oder nicht, spielt eine mar­gi­na­le Rolle.

Und wenn gesun­de Ernäh­rung und alles Trai­ning nicht hilft, was spricht gegen die in Mode gekom­me­ne Abnehmspritze?

Die­se GLP-1-Ago­nis­ten haben eine ein­drück­li­che Wir­kung auf den Kör­per, sie zügeln den Appe­tit und sor­gen dafür, dass das Sät­ti­gungs­ge­fühl schnel­ler ein­tritt. Wir müs­sen also weni­ger hun­gern, wenn wir abneh­men möch­ten, haben aber auch ent­schei­dend weni­ger Freu­de am Essen. Und: In Stu­di­en konn­te gezeigt wer­den, dass rund 50 Pro­zent des im Schnitt erreich­ten Gewichts­ver­lusts von fett­frei­er Kör­per­mas­se kommt, wenn wir par­al­lel dazu nicht Sport trei­ben. Sprich: Sol­che Sprit­zen füh­ren dazu, dass wir nicht nur Fett ver­bren­nen, son­dern auch Mus­keln oder sogar Kno­chen­mas­se ein­büs­sen. Dazu kommt die Abhän­gig­keit, da man die­se Sprit­ze dann das Leben lang neh­men muss. Und wie sieht es mit den Lang­zeit­fol­gen aus? Ich bin da sehr skep­tisch. Für Per­so­nen mit krank­haf­tem Über­ge­wicht sind die­se Medi­ka­men­te eine span­nen­de Opti­on. Ich sehe aber, dass sie mehr­heit­lich als fau­le Abkür­zung ein­ge­setzt werden.

Leave a Reply

Close Menu

Dani Hof­stet­ter –
Per­for­mance Nutrition

Mas­ter of Food Sci­ence ETH,
Ernäh­rungs­be­ra­ter und
Lang­di­stanz-Tri­ath­lon Weltmeister

+41 76 580 16 17
mail@​danihofstetter.​ch

© 2020 Dani­el Hofstetter.
Alle Rech­te vorbehalten.